Home
Info
Seminare
Rezensionen
Lesetipps
Andere Texte
Links/Podcast
Impressum

Ganz bewusst werde ich hier keine aktuellen Bestseller vorstellen (das machen andere schon zur Genüge), sondern auf Bücher hinweisen die ich persönlich für wichtig halte, um sie somit aus der rezeptionalen Versenkung zu holen. Das können zum einen Teil aktuelle Titel sein, zum anderen Teil aber auch Bücher die bereits älter und möglicherweise vergriffen sind. Die Fotos habe ich mit den entsprechenden Links zu Libri (lieferbar) bzw. ZVAB (vergriffen) hinterlegt.

 

Selten habe ich einen Autor kennen gelernt, der über eine derart umfassende Bildung  und stupende Belesenheit verfügt wie der 1949 geborene Ken Wilber, der als einer der wichtigsten Denker der so genannten „Integralen Theorie“ gilt.

Sein Buch "Eros, Kosmos, Logos" von 1996, das als sein „opus magnum“ gilt, ist ein Versuch die verschiedensten Bereiche (Philosophie, Mysik, Soziologie, Linguistik, Biologie, etc,) zu vereinen.

Am beeindruckensten ist meiner Ansicht nach sein von Arthur Koestler beeinflusstes holistisches Konzept, das er auf den ersten ca. einhundert Seiten darlegt. Dann geht es weiter mit Feminismus, Ökologie, Systemtheorie und Mystik. Ken Wilber wird ja gerne in die Esoterik-Ecke gestellt, was bezogen auf "Eros, Kosmos, Logos" definitiv nicht zutrifft.

Das Buch hat einen Umfang von ca. 850 Seiten, wovon 250 Seiten den Anhang mit Anmerkungen darstellen, die man unbedingt mitlesen sollte, da sie das zuvor Dargestellte noch weiter vertiefen.

Ein Zitat gleich am Anfang zeigt bereits sehr gut die Absicht des Autors nicht nur die Außenseite der Welt zu betrachten, wie es die Wissenschaften tun, sondern tiefer einzudringen und auch der Innenseite zu ihrem Recht zu verhelfen.

 „Nicht die Mächte der Finsternis, sondern die der Seichtheit bedrohen das Wahre, das Gute und das Schöne und stellen sich zu allem Überfluß auch noch als tief und profund dar.“

Das ganze Buch ist nichts anderes als ein - wie ich finde erfolgreicher - Kampf gegen eben diese Seichtheit des Wissens und der Erfahrung, mit der wir täglich konfrontiert werden.

(Ken Wilber: Eros, Kosmos, Logos, Krüger Verlag 1996)

 

Der studierte Physiker Carsten Bresch, 1921 in Berlin geboren,  wurde 1947 einer der ersten Schüler von Max Delbrück, dem Begründer der Molekularbiologie. Wie viele Physiker dieser Zeit – nicht zuletzt beeinflusst durch Erwin Schrödingers Schrift „Was ist Leben?“ von 1944 - wechselte auch er zur Biologie. 1970 erschien sein Buch „klassische und molekulare Genetik“, das lange Zeit als Standardwerk in diesem Bereich galt.

Für Aufsehen sorgte das hier vorgestellte Buch „Zwischenstufe Leben – Evolution ohne Ziel“ aus dem Jahr 1977, das neben seinem wissenschaftlichen Ansatz auch die Weltanschauung des Autors zeigt, der stark von Teilhard de Chardin beeinflusst ist.

Ausgehend von seinem Begriff des Musters zeigt Bresch die Entstehung des Lebens als fortlaufenden Prozess der Integration einfacher „Bausteine“ (Atome, Moleküle, etc.) zu immer komplexeren Strukturen mit immer neuen Eigenschaften, die sich nicht mehr auf die ursprünglichen Teile reduzieren lassen und an dessen Ende das „MONON“ steht.

Gerade durch diesen weltanschaulichen Aspekt ist es auch heute noch ein lesenswertes und auch für Laien verständlich geschriebenes Buch.

(Carsten Bresch: Zwischenstufe Leben - Evolution ohne Ziel?, Piper Verlag)

 

Ein mittlerweile fast vergessener Autor und Philosoph ist der 1905 in Ungarn geborene Arthur Koestler. Seine Biographie ist so zerrissen, wie es das 20. Jahrhundert war: Als Zionist und Kommunist von der Gestapo gejagt, im spanischen Bürgerkrieg zum Tode verurteilt, und von Moskau später als „Kalter Krieger“ beschimpft.

Dieses Buch aus dem Jahr 1978 stellt gewissermaßen die Zusammenfassung seiner früheren Werke „Die Wurzeln des Zufalls“, „Das Gespenst in der Maschine“, „Der göttliche Funke“ und „Die Nachtwandler“ dar.

Besonders seine holistische und spiritualistische Weltsicht sowie die daraus resultierende „Holarchie“ –Konzeption, die besonders von Ken Wilber übernommen und weiterentwickelt wurde, ist sehr inspirierend. Der synthetischen Theorie (Neodarwinismus) erteilt er eine gnadenlose Absage, indem er die aktive Rolle des Lebens im Lauf der Evolution betont.

Im Vorwort zu diesem Buch heißt es: „Ich mache mir keine Illusion über das Schicksal der von mir aufgestellten Theorie: sie wird den Weg der meisten Theorien gehen und im Laufe der Zeit durch neue Erkenntnisse in vielen – vielleicht sogar in den meisten – Punkten überholt werden. Dennoch hoffe ich, dass sie wenigstens einen Schattenriß der Wahrheit enthält.“ Ich denke, er ist zu bescheiden gewesen.

1983 nahm sich Arthur Koestler, schwer erkrankt, zusammen mit seiner dritten Ehefrau das Leben.

(Arthur Koestler: Der Mensch - Irrläufer der Evolution, Scherz Verlag)

 

Es gibt nicht viele philosophische Bücher, von denen eine solche Faszination ausgeht, dass sie den Leser oftmals über Jahre oder auch Jahrzehnte begleiten, um ihn immer wieder aufs Neue herauszufordern und zwingen Stellung zu beziehen. Die Krankheit zum Tode von Sören Kierkegaard (1813 – 1855) ist so ein Buch.

Das 1849 erschienene Werk des dänischen Philosophen markiert zusammen mit seinen anderen Werken - allen voran Entweder – Oder und Der Begriff Angst - den Beginn einer philosophischen Richtung, die später unter der Bezeichnung Existenzphilosophie bekannt wird und deren bekannteste Repräsentanten Jean Paul Sartre, Albert Camus, Martin Heidegger und Karl Jaspers heißen. Keiner dieser Philosophen ist ohne die von Kierkegaard in die Philosophie eingebrachten Begriffe und Denkansätze vorstellbar.

Was aber macht den Reiz dieses Buches aus, das sich jedem eindimensionalen Zugriff verweigert und sich auch nach mehrmaliger Lektüre nicht erschöpft?

Die anhaltende Faszination, die von K.s schwermütiger Philosophie ausgeht, so Thomas Horst über den Philosophen, verdankt sich der Einzigartigkeit des Versuchs, das Leiden an der eigenen melancholischen Befindlichkeit mit Einsichten in wesentliche Aspekte der menschlichen Existenz zu verbinden. Der Mensch als das einzig Seiende, dem es in seinem Sein um sein Sein geht (so Heidegger), ist das Thema dieses großen dänischen Denkers.

Die Krankheit zum Tode ist auf den ersten Blick eine Analyse und wenn man so will eine Klassifikation der menschlichen Verzweiflung mit der ihr innewohnenden - durch die  Natur des analysierten Objekts (der Mensch)  begründeten - Dialektik und erst auf den zweiten Blick ein Versuch über die Sünde. Spätestens dort zeigt sich, dass Kierkegaard ein christlicher Denker gewesen ist und auch so verstanden werden wollte.

Für Kierkegaard ist der Mensch ein von Natur aus instabiles und damit gefährdetes Wesen. Seine Auffassung der dem Menschen eignenden Dichotomie seines Daseins zeigt sich schon in den berühmten Anfangssätzen des hier besprochenen Werkes:

Der Mensch ist Geist. Aber was ist Geist? Geist ist das Selbst. Aber was ist das Selbst? Das Selbst ist ein Verhältnis, das sich zu sich selbst verhält, oder ist das am Verhältnis, dass das Verhältnis sich zu sich selbst verhält; das Selbst ist nicht das Verhältnis, sondern dass das Verhältnis sich zu sich selbst verhält. Der Mensch ist eine Synthese von Unendlichkeit und Endlichkeit, von Zeitlichem und Ewigem, von Freiheit und Notwendigkeit, kurz, eine Synthese.

Auf Grund dieser von Kierkegaard postulierten dichotomen bzw. – unter Hinzuziehung der Macht die dieses Selbst nach Kierkegaard gesetzt hat (Gott) - trichotomen Struktur des menschlichen Daseins gelangt er zu drei grundsätzlichen Formen von Verzweiflung unter der Bestimmung Bewusstsein: verzweifelt man selbst sein wollen, verzweifelt nicht man selbst sein wollen, verzweifelt sich nicht bewusst sein ein Selbst zu haben. Daneben gibt es nach Kierkegaard vier Formen der Verzweiflung, die nicht der Bestimmung Bewusstsein subsumiert werden können, sondern lediglich auf die Momente der Synthese  reflektieren (die Verzweiflung der Unendlichkeit, die Verzweiflung der Endlichkeit, die Verzweiflung der Möglichkeit sowie die Verzweiflung der Notwendigkeit). Diese sind aber wenn man so will Untergruppen der Verzweiflung und bilden nicht den eigentlichen  Kern dieser philosophischen Untersuchung.

Diese trichotome Daseinskonzeption führt dann zur Verzweiflung, wenn die einzelnen Komponenten sich im Ungleichgewicht befinden, was grundsätzlich der Fall ist und demnach Verzweiflung nicht die Ausnahme, sondern das Allgemeine darstellt.

 Joachim Ringleben - dessen Erklärung und Kommentar zu Die Krankheit zum Tode hier jedem empfohlen wird, der sich ausführlicher mit diesem Werk beschäftigen will - spricht in diesem Zusammenhang von Verzweiflung als einem Mißlingen der Identitätsproblematik.

Erst im letzten Teil seiner Abhandlung kommt Kierkegaard auf das zu sprechen, um was es ihm eigentlich geht: Um den Begriff der Sünde. Sünde nach seiner Definition ist vor Gott verzweifelt nicht man selbst sein wollen oder vor Gott verzweifelt man selbst sein wollen. Kurz: Sünde ist die Verzweiflung vor Gott. Bei Albert Camus wird das später heißen das Absurde ist die Verzweiflung ohne Gott.

Dieses Buch ist, wenn auch nicht ganz einfach zu verstehen, nicht zuletzt deshalb eine lohnende Lektüre weil es den Verstand schult, sondern auch und vor allem deshalb, da man sich während des Lesens fortwährend selbst in der Kierkegaardschen Konzeption der Verzweiflung zu verorten sucht. Somit ist die Lektüre zugleich ein permanentes Reflektieren auf sich und führt die Leserin oder den Leser dorthin wo es am spannendsten ist: zu sich selbst.  Um das Ganze nicht zu düster enden zu lassen zeigt uns dieser tief schürfende Autor einen Weg, um der Verzweiflung zu entkommen. Welchen? Lesen Sie selbst.

(Sören Kierkegaard: Die Krankheit zum Tode, dtv)

 

Dieses Buch von Karl Jaspers begleitet mich, seit ich angefangen habe mich für Philosophie zu interessieren. Es gibt nur ein Buch, das ich öfter gelesen habe - Die Krankheit zum Tode von Sören Kierkegaard.

Der Titel Einführung in die Philosophie ist nicht ganz richtig. Es müsste eigentlich Einführung in meine Philosophie heißen, denn Jaspers verwendet hier genuin jaspersche Begriffe wie Grenzsituation, das Umgreifende, Metaphysik als Chifferschrift, u.a.

Trotzdem – wer dieses Buch gelesen hat, wird einen ersten Eindruck davon gewinnen, was Philosophie ist oder sein kann und im folgenden mutig genug sein, sich Philosophen zuzuwenden, die schwieriger sind, aber deren Lektüre unerlässlich ist für jeden, der sich ernsthaft mit Philosophie beschäftigt.

Die hier abgebildete Ausgabe ist vergriffen. Das Buch ist aber als Taschenbuch im Piper Verlag nach wie vor erhältlich.

(Karl Jaspers: Einführung in die Philosophie, Piper Verlag)

 

Mehr als einmal habe ich das Buch aus der Hand gelegt, um die Lektüre zu beenden und dann doch wieder weiter gelesen. Vielleicht lässt sich über ein Buch kaum etwas Besseres sagen.

Andreas Weber startet mit „Alles fühlt“ einen Generalangriff auf den Darwinismus und somit auf alle mechanistischen und reduktionistischen Erklärungsansätze innerhalb der Evolutionstheorie. Dass er dabei mit seinen zum Teil esoterisch anmutenden Thesen gelegentlich über das Ziel hinaus schießt sei ihm verziehen.

Ein Problem dieses Buches ist allerdings in seiner ungewöhnlichen Konzeption zu sehen. Der Autor vermischt höchst persönliche Eindrücke mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. Das hat sicher auch seinen Reiz, birgt aber auch die Gefahr der Trivialisierung von Wissenschaft.

Trotzdem ein sehr lesenswertes und in seiner grundsätzlichen Aussage sympathisches Buch. Wer es nicht schon vorher getan hat, wird die Welt nach der Lektüre mit anderen Augen sehen.

(Andreas Weber: Alles fühlt, Berlin Verlag 2008)

 

An dieser Stelle lasse ich es mir nicht nehmen einen Autoren vorzustellen, den ich sehr schätze, obwohl ich mir natürlich der Tatsache bewusst bin, dass es sich hier um einen Schriftsteller handelt über den sich trefflich streiten lässt: Ernst Wiechert. 1887 in Ostpreußen geboren, 1933 als freier Schriftsteller nach Bayern übersiedelt und 1950 in der Schweiz gestorben. Seine öffentlichen Stellungnahmen gegen nationalsozialistische Politik und sein Eintreten für Pastor Niemöller und Eduard Spranger brachten in 1938 für einige Monate ins KZ Buchenwald (in „Der Totenwald“ hat er diese Erfahrungen schriftstellerisch verarbeitet). Sein Widerstand gegen die Nazis entsprang weniger politischem Denken als vielmehr seiner christlich-humanistischen Grundhaltung (wenn sich das überhaupt trennen lässt).

Seinen, oftmals zivilisationskritischen, Büchern - allen voran „Das einfache Leben“ von 1939- kann man den Vorwurf nicht ersparen realitätsfremd und eskapistisch zu sein und doch haben sie ihren ganz besonderen Reiz und eine unerschöpfliche, beinahe mystische Tiefe.

In dem autobiographischen Buch „Wälder und Menschen“ (1936) erzählt er von seiner Jugend in der ostpreußischen Heimatlandschaft, die ihn hervorgebracht und geprägt hat.

(Ernst Wiechert: Wälder und Menschen, Langen Müller Verlag, 2007)

 

„Nein, ich war nie allein in diesen fünf Jahren, in der trostlosesten Verlassenheit nie allein. Die Sonne hat mich getröstet und der Mond, Wind, der über eine Pfütze strich und sie wellte zu fliehenden Kreisen, Gras, das im Frühjahr wuchs zwischen Steinen des Hofs, ein guter Blick, ein Gruß geliebter Menschen, Freundschaft der Kameraden, der Glaube an eine Welt der Gerechtigkeit, der Freiheit, der Menschlichkeit, an eine Welt ohne Angst und ohne Hunger.

Ich bin dreißig Jahre.

Mein Haar wird grau.

Ich bin nicht müde.“

So endet Ernst Tollers autobiographischer Roman „Eine Jugend in Deutschland“. Der Autor wurde 1893 geboren, ging als Freiwilliger in den ersten Weltkrieg, kam als Pazifist zurück, wurde Vorsitzender der USPD und Mitglied der Räterepublik, wegen Hochverrats zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt und emigrierte 1933 in die USA wo er sich 1939 in New York das Leben nahm.

Toller erzählt in diesem - 1933 im Amsterdamer Exilverlag Querido erschienenen - Roman rückblickend sein Leben bis zu seiner Entlassung aus der Haft 1924 und vermittelt dem Leser dabei einen tiefen Einblick in die politischen Konstellationen dieser Zeit.

Während anderes von ihm im Lauf der Jahre verblasste, ist „Eine Jugend in Deutschland“ immer noch oder gerade wieder ein sehr lesenswertes Buch eines großen Humanisten und Revolutionärs.

(Ernst Toller: Eine Jugend in Deutschland, Rowohlt Verlag)

 

Der Text auf der Rückseite des Buches ist so aussagekräftig, dass ich ihn hier einfach übernehme:

Jahr für Jahr werden zwischen 3.000 und 30.000 Tier- und Pflanzenarten ausgelöscht - wir befinden uns mitten im größten Artensterben während der letzten 65 Millionen Jahre. Zugleich übersteigt jedes Jahr (!) die Zahl der Menschen, die durch die Folgen von Armut, Hunger, unzureichendem Zugang zu Wasser etc. getötet werden, die Zahl aller Soldaten, die während der sechs Jahre des Zweiten Weltkrieges ihr Leben ließen. Die Zerstörung der Natur und die Zerstörung von Menschen: Beides hängt eng miteinander zusammen; das Vernichtungswerk hat System. Unter dem ideologischen Deckmantel der Effizienz wird aktuell ein brutaler wie methodischer Raubzug gegen Mensch und Natur geführt. Der dabei von den Privatisierungs-Gurus und den Rendite-Junkies in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik vorgelegte Plan ist nicht die behauptete Lösung, sondern der Kern des Problems: Er fordert umfassende Exklusionsrechte an nicht vermehrbaren Ressourcen einerseits und den Tanz um das Rentabilitätsprinzip andererseits ein - uralte Steine des Anstoßes, die schon im Alten Testament zu finden sind. Mit der Globalisierung bekommen sie eine neue Dimension.
Das vorliegende Buch versteht sich als kritisches Lehrbuch. Angesichts der Härte, mit der sich die Lehrbuchorthodoxie mittlerweile an der Realität stößt, ist Häresie das Gebot der Stunde.

Ein nicht ganz einfach zu lesendes, in seiner Schärfe nur noch mit Veröffentlichungen Jean Zieglers vergleichbares, extrem kompetentes und didaktisch hervorragendes, Buch.

(Dirk Löhr: Die Plünderung der Erde, Anatomie einer Ökonomie der Ausbeutung, Verlag für Sozialökonomie 2008)

 

Der 1940 erschienene Roman "Exil" des Münchner Autors Lion Feuchtwanger (1884-1958) ist der dritte Teil der sogenannten "Wartesaal-Trilogie" nach "Erfolg" und "Die Geschwister Oppermann".

Feuchtwanger schildert hier eindrucksvoll und mit großer Nähe zu seinen Figuren die inneren Befindlichkeiten und äußeren Lebensbedingungen der deutschen Emigranten in Paris, die nach der Machtübernahme Hitlers aus Deutschland fliehen mussten. Feuchtwanger war der Überzeugung, dass das Exil die Starken stärker und die Schwachen schwächer macht und so ist auch die Hauptfigur seines Romans ein Künstler, dem es über - durch das Exil erzwungene - Umwege gelingt zu seiner eigentlichen, reifen Kunst zu gelangen, während andere aus seinem Umfeld dem Exil nicht gewachsen sind und auf der Strecke bleiben.

Neben den Romanen "Der Vulkan" (1939) von Klaus Mann (1906-1949) und "Transit" (1944) von Anna Seghers (1900-1983), die ebenfalls das Exil zum Thema haben, ist es einer der wichtigsten und immer noch sehr lesenswerten Romane zu diesem Thema.

(Lion Feuchtwanger:  Exil, Aufbau Verlag)

 

Charles Bukowski schrieb über Reise ans Ende der Nacht, es wäre das beste Buch, das in den letzten zweitausend Jahren geschrieben wurde. Ich denke, er hat nicht ganz Unrecht mit diesem Urteil. Der Autor Louis - Ferdinand Destouches (1894 – 1961) – der sich nach seiner Großmutter Celine nannte – war ein ziemlich unangenehmer Zeitgenosse und gerade bei ihm  kommt es besonders darauf an Werk und Person von einander zu trennen.

Reise ans Ende der Nacht - eine Anspielung auf Joseph Conrads Roman Herz der Finsternis - erzählt die Geschichte des Ferdinand Bardamu der 1914 ungewollt beim Militär landet, nach dem Krieg nach Afrika und Amerika geht, um zuletzt in Paris als Armenarzt zu arbeiten.

Celine schafft in diesem Roman eine eigene Sprache zwischen Argot (Umgangssprache), Hoch – und Kunstsprache.

Erst vor wenigen Jahren wurde dieser Roman durch Hinrich Schmidt-Henkel adäquat übersetzt. Bis dahin gab es lediglich eine verstümmelte Version, die der Rowohlt Verlag leider über Jahrzehnte vertrieben hat.

Einer der ganz wenigen Romane, den ich nochmal  lesen würde.

(Louis-Ferdinand Celine:  Reise ans Ende der Nacht, Rowohlt Verlag)

 

Als alter „Ditfurthianer“ (siehe Weblog) würde ich hier natürlich gerne alle Bücher dieses genialen, leider zu früh (1989), im Alter von achtundsechzig Jahren, verstorbenen Autors empfehlen, aber ich habe mich exemplarisch für eines entschieden.

Obwohl Ditfurths Bücher im Zeitraum von 1970 bis 1989 erschienen sind, halte ich sie immer noch für unbedingt lesenswert. Die eine oder andere wissenschaftliche Erkenntnis mag mittlerweile überholt sein (es sind weniger als man denkt), nicht aber die fundamentalen Aussagen seiner Bücher.

Es war immer das Anliegen dieses ungewöhnlichen Denkers die Menschen zum einen auf ihren anthropozentrischen Mittelpunktswahn aufmerksam zu machen, zum anderen hat er Zeit seines Lebens versucht Naturwissenschaft und Religion miteinander zu versöhnen. Er war, als Professor für Psychiatrie und Neurologie ein umfassend gebildeter Mensch, der in der Philosophie so zu Hause war wie in den Naturwissenschaften oder der Literatur. So ist es bis heute ein intellektueller Genuss seinen Gedankengängen zu folgen und eine Bereicherung für jeden, der sich für die Stellung des Menschen im Kosmos und seine Um –bzw. Mitwelt interessiert.

(Hoimar von Ditfurth: Der Geist fiel nicht vom Himmel, Hoffmann & Campe Verlag)

Hier der Link zu einer hervorragenden Webseite: www.hoimar-von-ditfurth.de

 

In Anbetracht der Tatsache, dass zur Erklärung der Genese psychischer Erkrankungen  immer mehr auf biologistische Erklärungsmuster rekurriert wird, möchte ich hier einen Autoren vorstellen, der sich beim Versuch die Entstehung psychischer Erkrankungen zu erklären dafür eingesetzt hat vermehrt den familiären und sozialen Kontext zu berücksichtigen: Ronald D. Laing (1927 – 1989)

Zusammen mit David Cooper und Thomas Szasz gilt Ronald Laing als einer der Gründerväter der antipsychiatrischen Bewegung.

Die Phänomenologie der Erfahrung (1967) behandelt verschiedene Aspekte der Erfahrung: Psychotherapeutische Erfahrung, schizophrene Erfahrung, transzendentale Erfahrung.

Um Lust aufs Lesen zu machen, hier ein kurzes Zitat aus diesem Buch: „In einer Gesellschaft, in welcher der Wettbewerb um die kulturellen Basisgüter Angelpunkt des Handelns ist, kann man den Leuten nicht beibringen, einander zu lieben. Deshalb muß unsere Schule die Kinder das Hassen lehren, ohne dass dies deutlich wird

(Ronald D. Laing: Phänomenologie der Erfahrung, Suhrkamp Verlag)

 

Escape to life“, 1939 von Klaus und Erika Mann verfasst, zeigt  in seinen 21 Kapiteln von „Der Reichstag brennt“ bis „Krieg ohne Waffen“ das gesamte Spektrum des Exils.

Das Buch enthält neben Kurzbiographien fast aller bedeutenden und weniger bedeutenden  Künstler (aber auch Wissenschaftler wie Albert Einstein), Persönlichkeitsstudien und Anekdoten sowie Gedichte, Briefe und einige Fotos.

Für ca. 95 Prozent der amerikanischen Ausgabe lag im Münchner Klaus Mann-Archiv der deutsche Urtext vor. Einige, wenige Abschnitte mussten ins Deutsche rückübersetzt werden. Die deutsche Ausgabe von „Escape to life“ erschien 1991 gebunden in der Edition Spangenberg. Diese Ausgabe ist leider vergriffen und nur noch antiquarisch zu beziehen. Die Taschenbuchausgabe im Rowohlt Verlag ist nach wie vor lieferbar.

Absolute Pflichtlektüre für jeden, der sich mit der Literatur des Exils beschäftigt.

(Klaus Mann/Erika Mann: Escape to life, Rowohlt Verlag)

 

 

  __________________

__________________