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Ganz bewusst werde ich hier keine
aktuellen Bestseller vorstellen (das machen andere schon zur
Genüge), sondern auf Bücher hinweisen die ich persönlich für wichtig
halte, um sie somit aus der rezeptionalen Versenkung zu holen. Das
können zum einen Teil aktuelle Titel sein, zum anderen Teil aber
auch Bücher die bereits älter und möglicherweise vergriffen sind.
Die Fotos habe ich mit den entsprechenden Links zu Libri (lieferbar)
bzw. ZVAB (vergriffen) hinterlegt.
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Selten
habe ich einen Autor kennen gelernt, der über eine derart
umfassende Bildung
und stupende Belesenheit verfügt wie der 1949 geborene Ken
Wilber, der als einer der wichtigsten Denker der so genannten
„Integralen Theorie“ gilt.
Sein
Buch "Eros, Kosmos, Logos" von 1996, das als sein „opus magnum“ gilt, ist ein Versuch
die verschiedensten Bereiche (Philosophie, Mysik, Soziologie,
Linguistik, Biologie, etc,) zu vereinen.
Am
beeindruckensten ist meiner Ansicht nach sein von Arthur Koestler
beeinflusstes holistisches Konzept, das er auf den ersten ca.
einhundert Seiten darlegt. Dann geht es weiter mit Feminismus, Ökologie,
Systemtheorie und Mystik. Ken Wilber wird ja gerne in die
Esoterik-Ecke gestellt, was bezogen auf "Eros, Kosmos,
Logos" definitiv nicht
zutrifft.
Das
Buch hat einen Umfang von ca. 850 Seiten, wovon 250 Seiten den
Anhang mit Anmerkungen darstellen, die man unbedingt mitlesen
sollte, da sie das zuvor Dargestellte noch weiter vertiefen.
Ein
Zitat gleich am Anfang zeigt bereits sehr gut die Absicht des Autors
nicht nur die Außenseite der Welt zu betrachten, wie es die
Wissenschaften tun, sondern tiefer einzudringen und auch der
Innenseite zu ihrem Recht zu verhelfen.
„Nicht die Mächte der Finsternis, sondern die der
Seichtheit bedrohen das Wahre, das Gute und das Schöne und stellen
sich zu allem Überfluß auch noch als tief und profund dar.“
Das
ganze Buch ist nichts anderes als ein - wie ich finde erfolgreicher
- Kampf gegen eben diese Seichtheit des Wissens und der Erfahrung,
mit der wir täglich konfrontiert werden.
(Ken Wilber: Eros, Kosmos,
Logos, Krüger Verlag 1996)
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Der
studierte Physiker Carsten Bresch, 1921 in Berlin geboren,
wurde 1947 einer der ersten Schüler von Max Delbrück,
dem Begründer der Molekularbiologie. Wie viele Physiker dieser Zeit
– nicht zuletzt beeinflusst durch Erwin Schrödingers Schrift
„Was ist Leben?“ von 1944 - wechselte auch er zur Biologie. 1970
erschien sein Buch „klassische und molekulare Genetik“, das
lange Zeit als Standardwerk in diesem Bereich galt.
Für
Aufsehen sorgte das hier vorgestellte Buch „Zwischenstufe Leben
– Evolution ohne Ziel“ aus dem Jahr 1977, das neben seinem
wissenschaftlichen Ansatz auch die Weltanschauung des Autors zeigt,
der stark von Teilhard de Chardin beeinflusst ist.
Ausgehend
von seinem Begriff des Musters zeigt Bresch die Entstehung des
Lebens als fortlaufenden Prozess der Integration einfacher
„Bausteine“ (Atome, Moleküle, etc.) zu immer komplexeren
Strukturen mit immer neuen Eigenschaften, die sich nicht mehr auf
die ursprünglichen Teile reduzieren lassen und an dessen Ende das
„MONON“ steht.
Gerade
durch diesen weltanschaulichen Aspekt ist es auch heute noch ein
lesenswertes und auch für Laien verständlich geschriebenes Buch.
(Carsten Bresch: Zwischenstufe Leben - Evolution ohne Ziel?, Piper
Verlag)
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Ein mittlerweile fast vergessener Autor und Philosoph ist
der 1905 in Ungarn geborene Arthur Koestler. Seine Biographie ist so
zerrissen, wie es das 20. Jahrhundert war: Als Zionist und Kommunist
von der Gestapo gejagt, im spanischen Bürgerkrieg zum Tode
verurteilt, und von Moskau später als „Kalter Krieger“
beschimpft.
Dieses Buch aus dem Jahr 1978 stellt gewissermaßen die
Zusammenfassung seiner früheren Werke „Die Wurzeln des
Zufalls“, „Das Gespenst in der Maschine“, „Der göttliche
Funke“ und „Die Nachtwandler“ dar.
Besonders seine holistische und spiritualistische Weltsicht
sowie die daraus resultierende „Holarchie“ –Konzeption, die
besonders von Ken Wilber übernommen und weiterentwickelt wurde, ist
sehr inspirierend. Der synthetischen Theorie (Neodarwinismus)
erteilt er eine gnadenlose Absage, indem er die aktive Rolle des
Lebens im Lauf der Evolution betont.
Im Vorwort zu diesem Buch heißt es: „Ich mache mir keine
Illusion über das Schicksal der von mir aufgestellten Theorie: sie
wird den Weg der meisten Theorien gehen und im Laufe der Zeit durch
neue Erkenntnisse in vielen – vielleicht sogar in den meisten –
Punkten überholt werden. Dennoch hoffe ich, dass sie wenigstens
einen Schattenriß der Wahrheit enthält.“ Ich denke, er ist zu
bescheiden gewesen.
1983 nahm sich Arthur Koestler, schwer erkrankt, zusammen
mit seiner dritten Ehefrau das Leben.
(Arthur Koestler: Der Mensch - Irrläufer der Evolution, Scherz
Verlag)
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Es gibt nicht
viele philosophische Bücher, von denen eine solche Faszination
ausgeht, dass sie den Leser oftmals über Jahre oder auch Jahrzehnte
begleiten, um ihn immer wieder aufs Neue herauszufordern und zwingen
Stellung zu beziehen. Die Krankheit zum Tode von Sören
Kierkegaard (1813 – 1855) ist so ein Buch.
Das
1849 erschienene Werk des dänischen Philosophen markiert zusammen
mit seinen anderen Werken - allen voran Entweder – Oder und
Der Begriff Angst - den Beginn einer philosophischen
Richtung, die später unter der Bezeichnung Existenzphilosophie
bekannt wird und deren bekannteste Repräsentanten Jean Paul Sartre,
Albert Camus, Martin Heidegger und Karl Jaspers heißen. Keiner
dieser Philosophen ist ohne die von Kierkegaard in die Philosophie
eingebrachten Begriffe und Denkansätze vorstellbar.
Was
aber macht den Reiz dieses Buches aus, das sich jedem
eindimensionalen Zugriff verweigert und sich auch nach mehrmaliger
Lektüre nicht erschöpft?
Die
anhaltende Faszination, die von K.s schwermütiger Philosophie
ausgeht, so Thomas Horst über den Philosophen, verdankt sich
der Einzigartigkeit des Versuchs, das Leiden an der eigenen
melancholischen Befindlichkeit mit Einsichten in wesentliche Aspekte
der menschlichen Existenz zu verbinden. Der Mensch als das
einzig Seiende, dem es in seinem Sein um sein Sein geht (so
Heidegger), ist das Thema dieses großen dänischen Denkers.
Die
Krankheit zum Tode ist auf den ersten Blick eine Analyse und
wenn man so will eine Klassifikation der menschlichen Verzweiflung
mit der ihr innewohnenden - durch die Natur des analysierten Objekts
(der Mensch) begründeten - Dialektik und erst auf den zweiten
Blick ein Versuch über die Sünde. Spätestens dort zeigt sich,
dass Kierkegaard ein christlicher Denker gewesen ist und auch so
verstanden werden wollte.
Für
Kierkegaard ist der Mensch ein von Natur aus instabiles und damit
gefährdetes Wesen. Seine Auffassung der dem Menschen eignenden
Dichotomie seines Daseins zeigt sich schon in den berühmten
Anfangssätzen des hier besprochenen Werkes:
Der
Mensch ist Geist. Aber was ist Geist? Geist ist das Selbst. Aber was
ist das Selbst? Das Selbst ist ein Verhältnis, das sich zu sich
selbst verhält, oder ist das am Verhältnis, dass das Verhältnis
sich zu sich selbst verhält; das Selbst ist nicht das Verhältnis,
sondern dass das Verhältnis sich zu sich selbst verhält. Der
Mensch ist eine Synthese von Unendlichkeit und Endlichkeit, von
Zeitlichem und Ewigem, von Freiheit und Notwendigkeit, kurz, eine
Synthese.
Auf
Grund dieser von Kierkegaard postulierten dichotomen bzw. – unter
Hinzuziehung der Macht die dieses Selbst nach Kierkegaard gesetzt
hat (Gott) - trichotomen Struktur des menschlichen Daseins gelangt
er zu drei grundsätzlichen Formen von Verzweiflung unter der
Bestimmung Bewusstsein: verzweifelt man selbst sein wollen,
verzweifelt nicht man selbst sein wollen, verzweifelt sich nicht
bewusst sein ein Selbst zu haben. Daneben gibt es nach Kierkegaard
vier Formen der Verzweiflung, die nicht der Bestimmung Bewusstsein
subsumiert werden können, sondern lediglich auf die Momente der
Synthese reflektieren (die Verzweiflung der Unendlichkeit, die
Verzweiflung der Endlichkeit, die Verzweiflung der Möglichkeit
sowie die Verzweiflung der Notwendigkeit). Diese sind aber wenn man
so will Untergruppen der Verzweiflung und bilden nicht den
eigentlichen Kern dieser philosophischen Untersuchung.
Diese
trichotome Daseinskonzeption führt dann zur Verzweiflung, wenn die
einzelnen Komponenten sich im Ungleichgewicht befinden, was grundsätzlich
der Fall ist und demnach Verzweiflung nicht die Ausnahme, sondern
das Allgemeine darstellt.
Joachim
Ringleben - dessen Erklärung und Kommentar zu Die Krankheit zum
Tode hier jedem empfohlen wird, der sich ausführlicher mit
diesem Werk beschäftigen will - spricht in diesem Zusammenhang von
Verzweiflung als einem Mißlingen der Identitätsproblematik.
Erst
im letzten Teil seiner Abhandlung kommt Kierkegaard auf das zu
sprechen, um was es ihm eigentlich geht: Um den Begriff der Sünde.
Sünde nach seiner Definition ist vor Gott verzweifelt nicht man
selbst sein wollen oder vor Gott verzweifelt man selbst sein wollen.
Kurz: Sünde ist die Verzweiflung vor Gott. Bei Albert Camus wird
das später heißen das Absurde ist die Verzweiflung ohne Gott.
Dieses
Buch ist, wenn auch nicht ganz einfach zu verstehen, nicht zuletzt
deshalb eine lohnende Lektüre weil es den Verstand schult, sondern
auch und vor allem deshalb, da man sich während des Lesens fortwährend
selbst in der Kierkegaardschen Konzeption der Verzweiflung zu
verorten sucht. Somit ist die Lektüre zugleich ein permanentes
Reflektieren auf sich und führt die Leserin oder den Leser dorthin
wo es am spannendsten ist: zu sich selbst. Um das Ganze nicht
zu düster enden zu lassen zeigt uns dieser tief schürfende Autor
einen Weg, um der Verzweiflung zu entkommen. Welchen? Lesen Sie
selbst.
(Sören Kierkegaard :
Die Krankheit zum Tode, dtv)
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Dieses Buch von
Karl Jaspers begleitet mich, seit ich angefangen habe mich für
Philosophie zu interessieren. Es gibt nur ein Buch, das ich öfter
gelesen habe - Die Krankheit zum Tode von Sören Kierkegaard.
Der Titel Einführung
in die Philosophie ist nicht ganz richtig. Es müsste eigentlich
Einführung in meine Philosophie heißen, denn Jaspers
verwendet hier genuin jaspersche Begriffe wie Grenzsituation, das
Umgreifende, Metaphysik als Chifferschrift, u.a.
Trotzdem – wer
dieses Buch gelesen hat, wird einen ersten Eindruck davon gewinnen,
was Philosophie ist oder sein kann und im folgenden mutig genug
sein, sich Philosophen zuzuwenden, die schwieriger sind, aber deren
Lektüre unerlässlich ist für jeden, der sich ernsthaft mit
Philosophie beschäftigt.
Die hier
abgebildete Ausgabe ist vergriffen. Das Buch ist aber als
Taschenbuch im Piper Verlag nach wie vor erhältlich.
(Karl
Jaspers: Einführung in die Philosophie, Piper Verlag)
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Mehr als einmal
habe ich das Buch aus der Hand gelegt, um die Lektüre zu beenden
und dann doch wieder weiter gelesen. Vielleicht lässt sich über
ein Buch kaum etwas Besseres sagen.
Andreas Weber
startet mit „Alles fühlt“ einen Generalangriff auf den
Darwinismus und somit auf alle mechanistischen und
reduktionistischen Erklärungsansätze innerhalb der
Evolutionstheorie. Dass er dabei mit seinen zum Teil esoterisch
anmutenden Thesen gelegentlich über das Ziel hinaus schießt sei
ihm verziehen.
Ein Problem
dieses Buches ist allerdings in seiner ungewöhnlichen Konzeption zu
sehen. Der Autor vermischt höchst persönliche Eindrücke mit
wissenschaftlichen Erkenntnissen. Das hat sicher auch seinen Reiz,
birgt aber auch die Gefahr der Trivialisierung von Wissenschaft.
Trotzdem ein sehr
lesenswertes und in seiner grundsätzlichen Aussage sympathisches
Buch. Wer es nicht schon vorher getan hat, wird die Welt nach der
Lektüre mit anderen Augen sehen.
(Andreas Weber: Alles fühlt,
Berlin Verlag 2008)
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An dieser Stelle
lasse ich es mir nicht nehmen einen Autoren vorzustellen, den ich
sehr schätze, obwohl ich mir natürlich der Tatsache bewusst bin,
dass es sich hier um einen Schriftsteller handelt über den sich
trefflich streiten lässt: Ernst Wiechert. 1887 in Ostpreußen
geboren, 1933 als freier Schriftsteller nach Bayern übersiedelt und
1950 in der Schweiz gestorben. Seine öffentlichen Stellungnahmen
gegen nationalsozialistische Politik und sein Eintreten für Pastor
Niemöller und Eduard Spranger brachten in 1938 für einige Monate
ins KZ Buchenwald (in „Der Totenwald“ hat er diese Erfahrungen
schriftstellerisch verarbeitet). Sein Widerstand gegen die Nazis
entsprang weniger politischem Denken als vielmehr seiner
christlich-humanistischen Grundhaltung (wenn sich das überhaupt
trennen lässt).
Seinen, oftmals
zivilisationskritischen, Büchern - allen voran „Das einfache
Leben“ von 1939- kann man den Vorwurf nicht ersparen realitätsfremd
und eskapistisch zu sein und doch haben sie ihren ganz besonderen
Reiz und eine unerschöpfliche, beinahe mystische Tiefe.
In dem
autobiographischen Buch „Wälder und Menschen“ (1936) erzählt
er von seiner Jugend in der ostpreußischen Heimatlandschaft, die
ihn hervorgebracht und geprägt hat.
(Ernst
Wiechert: Wälder und Menschen, Langen Müller Verlag, 2007)
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„Nein, ich war nie allein in diesen fünf Jahren, in der trostlosesten
Verlassenheit nie allein. Die Sonne hat mich getröstet und der Mond,
Wind, der über eine Pfütze strich und sie wellte zu fliehenden
Kreisen, Gras, das im Frühjahr wuchs zwischen Steinen des Hofs, ein
guter Blick, ein Gruß geliebter Menschen, Freundschaft der Kameraden,
der Glaube an eine Welt der Gerechtigkeit, der Freiheit, der
Menschlichkeit, an eine Welt ohne Angst und ohne Hunger.
Ich
bin dreißig Jahre.
Mein Haar wird grau.
Ich
bin nicht müde.“
So
endet Ernst Tollers autobiographischer Roman „Eine Jugend in
Deutschland“. Der Autor wurde 1893 geboren, ging als Freiwilliger in
den ersten Weltkrieg, kam als Pazifist zurück, wurde Vorsitzender der
USPD und Mitglied der Räterepublik, wegen Hochverrats zu fünf Jahren
Festungshaft verurteilt und emigrierte 1933 in die USA wo er sich 1939
in New York das Leben nahm.
Toller erzählt in diesem - 1933 im Amsterdamer Exilverlag Querido
erschienenen - Roman rückblickend sein Leben bis zu seiner Entlassung
aus der Haft 1924 und vermittelt dem Leser dabei einen tiefen Einblick
in die politischen Konstellationen dieser Zeit.
Während anderes von ihm im Lauf der Jahre verblasste, ist „Eine Jugend
in Deutschland“ immer noch oder gerade wieder ein sehr lesenswertes
Buch eines großen Humanisten und Revolutionärs.
(Ernst Toller: Eine
Jugend in Deutschland, Rowohlt Verlag)
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Der
Text auf der Rückseite des Buches ist so aussagekräftig, dass ich ihn
hier einfach übernehme:
Jahr für Jahr werden zwischen 3.000 und 30.000 Tier- und Pflanzenarten
ausgelöscht - wir befinden uns mitten im größten Artensterben während
der letzten 65 Millionen Jahre. Zugleich übersteigt jedes Jahr (!) die
Zahl der Menschen, die durch die Folgen von Armut, Hunger,
unzureichendem Zugang zu Wasser etc. getötet werden, die Zahl aller
Soldaten, die während der sechs Jahre des Zweiten Weltkrieges ihr
Leben ließen. Die Zerstörung der Natur und die Zerstörung von
Menschen: Beides hängt eng miteinander zusammen; das Vernichtungswerk
hat System. Unter dem ideologischen Deckmantel der Effizienz wird
aktuell ein brutaler wie methodischer Raubzug gegen Mensch und Natur
geführt. Der dabei von den Privatisierungs-Gurus und den
Rendite-Junkies in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik vorgelegte
Plan ist nicht die behauptete Lösung, sondern der Kern des Problems:
Er fordert umfassende Exklusionsrechte an nicht vermehrbaren
Ressourcen einerseits und den Tanz um das Rentabilitätsprinzip
andererseits ein - uralte Steine des Anstoßes, die schon im Alten
Testament zu finden sind. Mit der Globalisierung bekommen sie eine
neue Dimension.
Das vorliegende Buch versteht sich als kritisches Lehrbuch. Angesichts
der Härte, mit der sich die Lehrbuchorthodoxie mittlerweile an der
Realität stößt, ist Häresie das Gebot der Stunde.
Ein
nicht ganz einfach zu lesendes, in seiner Schärfe nur noch mit
Veröffentlichungen Jean Zieglers vergleichbares, extrem kompetentes
und didaktisch hervorragendes, Buch.
(Dirk Löhr: Die
Plünderung der Erde, Anatomie einer Ökonomie der Ausbeutung, Verlag
für Sozialökonomie 2008)
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Der 1940
erschienene Roman "Exil" des Münchner Autors Lion Feuchtwanger
(1884-1958) ist der dritte Teil der sogenannten "Wartesaal-Trilogie"
nach "Erfolg" und "Die Geschwister Oppermann".
Feuchtwanger schildert hier eindrucksvoll und mit großer Nähe zu
seinen Figuren die inneren Befindlichkeiten und äußeren
Lebensbedingungen der deutschen Emigranten in Paris, die nach der
Machtübernahme Hitlers aus Deutschland fliehen mussten. Feuchtwanger
war der Überzeugung, dass das Exil die Starken stärker und die
Schwachen schwächer macht und so ist auch die Hauptfigur seines Romans
ein Künstler, dem es über - durch das Exil erzwungene - Umwege gelingt
zu seiner eigentlichen, reifen Kunst zu gelangen, während andere aus
seinem Umfeld dem Exil nicht gewachsen sind und auf der Strecke
bleiben.
Neben
den Romanen "Der Vulkan" (1939) von Klaus Mann (1906-1949) und
"Transit" (1944) von Anna Seghers (1900-1983), die ebenfalls das Exil
zum Thema haben, ist es einer der wichtigsten und immer noch sehr
lesenswerten Romane zu diesem Thema.
(Lion Feuchtwanger:
Exil, Aufbau Verlag)
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Charles Bukowski schrieb über Reise ans Ende der Nacht, es wäre
das beste Buch, das in den letzten zweitausend Jahren geschrieben
wurde. Ich denke, er hat nicht ganz Unrecht mit diesem Urteil. Der
Autor Louis - Ferdinand Destouches (1894 – 1961) – der sich nach
seiner Großmutter Celine nannte – war ein ziemlich unangenehmer
Zeitgenosse und gerade bei ihm kommt es besonders darauf an Werk und
Person von einander zu trennen.
Reise ans Ende der Nacht - eine Anspielung auf Joseph Conrads
Roman Herz der Finsternis - erzählt die Geschichte des
Ferdinand Bardamu der 1914 ungewollt beim Militär landet, nach dem
Krieg nach Afrika und Amerika geht, um zuletzt in Paris als Armenarzt
zu arbeiten.
Celine schafft in diesem Roman eine eigene Sprache zwischen Argot
(Umgangssprache), Hoch – und Kunstsprache.
Erst vor wenigen Jahren wurde dieser Roman durch Hinrich
Schmidt-Henkel adäquat übersetzt. Bis dahin gab es lediglich eine
verstümmelte Version, die der Rowohlt Verlag leider über Jahrzehnte
vertrieben hat.
Einer der ganz wenigen Romane, den ich nochmal lesen würde.
(Louis-Ferdinand
Celine: Reise ans Ende der Nacht, Rowohlt Verlag)
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Als alter „Ditfurthianer“
(siehe Weblog) würde ich hier natürlich gerne alle Bücher dieses
genialen, leider zu früh (1989), im Alter von achtundsechzig Jahren,
verstorbenen Autors empfehlen, aber ich habe mich exemplarisch für
eines entschieden.
Obwohl Ditfurths
Bücher im Zeitraum von 1970 bis 1989 erschienen sind, halte ich sie
immer noch für unbedingt lesenswert. Die eine oder andere
wissenschaftliche Erkenntnis mag mittlerweile überholt sein (es sind
weniger als man denkt), nicht aber die fundamentalen Aussagen seiner
Bücher.
Es war immer das
Anliegen dieses ungewöhnlichen Denkers die Menschen zum einen auf
ihren anthropozentrischen Mittelpunktswahn aufmerksam zu machen, zum
anderen hat er Zeit seines Lebens versucht Naturwissenschaft und
Religion miteinander zu versöhnen. Er war, als Professor für
Psychiatrie und Neurologie ein umfassend gebildeter Mensch, der in der
Philosophie so zu Hause war wie in den Naturwissenschaften oder der
Literatur. So ist es bis heute ein intellektueller Genuss seinen
Gedankengängen zu folgen und eine Bereicherung für jeden, der sich für
die Stellung des Menschen im Kosmos und seine Um –bzw. Mitwelt
interessiert.
(Hoimar von Ditfurth: Der Geist fiel nicht vom Himmel, Hoffmann &
Campe Verlag)
Hier der Link zu einer hervorragenden Webseite:
www.hoimar-von-ditfurth.de
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In Anbetracht der Tatsache, dass zur Erklärung der Genese psychischer
Erkrankungen immer mehr auf biologistische Erklärungsmuster
rekurriert wird, möchte ich hier einen Autoren vorstellen, der sich
beim Versuch die Entstehung psychischer Erkrankungen zu erklären dafür
eingesetzt hat vermehrt den familiären und sozialen Kontext zu
berücksichtigen: Ronald D. Laing (1927 – 1989)
Zusammen mit David Cooper und Thomas Szasz gilt Ronald Laing als einer
der Gründerväter der antipsychiatrischen Bewegung.
Die Phänomenologie der Erfahrung (1967) behandelt verschiedene
Aspekte der Erfahrung: Psychotherapeutische Erfahrung, schizophrene
Erfahrung, transzendentale Erfahrung.
Um Lust aufs Lesen zu machen, hier ein kurzes Zitat aus diesem Buch: „In
einer Gesellschaft, in welcher der Wettbewerb um die kulturellen
Basisgüter Angelpunkt des Handelns ist, kann man den Leuten nicht
beibringen, einander zu lieben. Deshalb muß unsere Schule die Kinder
das Hassen lehren, ohne dass dies deutlich wird“
(Ronald D. Laing: Phänomenologie der
Erfahrung, Suhrkamp Verlag)
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„Escape
to life“, 1939 von Klaus und Erika Mann verfasst, zeigt in seinen
21 Kapiteln von „Der Reichstag brennt“ bis „Krieg ohne
Waffen“ das gesamte Spektrum des Exils.
Das
Buch enthält neben Kurzbiographien fast aller bedeutenden und weniger
bedeutenden Künstler (aber auch Wissenschaftler wie Albert Einstein),
Persönlichkeitsstudien und Anekdoten sowie Gedichte, Briefe und einige
Fotos.
Für
ca. 95 Prozent der amerikanischen Ausgabe lag im Münchner Klaus
Mann-Archiv der deutsche Urtext vor. Einige, wenige Abschnitte mussten
ins Deutsche rückübersetzt werden. Die deutsche Ausgabe von „Escape to
life“ erschien 1991 gebunden in der Edition Spangenberg. Diese Ausgabe
ist leider vergriffen und nur noch antiquarisch zu beziehen. Die
Taschenbuchausgabe im Rowohlt Verlag ist nach wie vor lieferbar.
Absolute Pflichtlektüre für jeden, der sich mit der Literatur des
Exils beschäftigt.
(Klaus Mann/Erika
Mann: Escape to life, Rowohlt Verlag)
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